Schätze ich fange mal besser wieder von vorne an. So geht es einfach nicht weiter und so habe ich die Sache mit Ida gestern Abend beendet. Immerhin hüpft sie heute wieder fröhlich durch die Gegend – insofern lag ich wohl nicht so falsch dass sie mit mir einfach nichts mehr anfangen kann. Nach den Feiertagen (Sind die hier nur am Feiern? Warum sieht man davon nichts?) geht es also dann zur fröhlichen Wohnungssuche.

Meine berüchtigte ToDo Liste:
[x] get a car
[ ] get an aparment
[ ] get a job
[ ] get a girlfriend

Einige Menschen nehmen ihren Job wirklich zu ernst. Ich parke hier unerlaubterweise im Hof der Wohnsiedlung. Das interessiert ansich kein Schwein und ich störe auch niemanden da hier wirklich Platz ohne Ende ist aber irgendjemand hat sich trotzdem drüber aufgeregt und die Freundlichen gerufen. Nun fand ich heute morgen einen Strafzettel an meiner Windschutzscheibe vor. Übrigens genau neben meinem Zettel der sogar auf korrektem und freundlichen Schwedisch erklärt dass ich einen Parkplatz ab dem nächsten Monat gemietet habe und ich mich dafür entschuldige bis dahin hier frecherweise rumzuparken. Nun.. in 2 (in Worten: zwei) Tagen wäre es soweit gewesen. Das macht einmal 250 Kronen oder 25 Euro bitte. Und mit dem Betrag habe ich noch Glück. Ich habe das Ticket nun ebenfalls im Bus neben meinen Zettel gelegt und erwarte munter einen weiteren morgen früh um diesen dann ebenfalls dazu zu legen. Beamte sind halt doch überall gleich und ja ich weiß dass sie im Recht sind..

Trotzdem..

Bezahlen werde ich übrigens frühstens am 2. – bis dahin sind sowieso Feiertage und die Bank hat geschlossen.

Ich habe wirklich keine Ahnung warum so viele Leute für Schweden schwärmen. Bäume habe ich daheim beim Schwarzwald auch gehabt. Schnee gibt es da auch ab und an. Hier gibt es so was in Massen. Wer drauf steht.. ansonsten weiß ich wirklich nicht was hier so besonders schön sein soll – von den Schwedinnen mal abgesehen. Aber ich bin ja nur wegen einer Schwedin hier her gekommen und die steckt gerade mitten in einer depressiven Phase. Die bekloppten Pillen, die eigentlich hätten helfen sollen, haben natürlich genau das Gegenteil bewirkt. Das kann bei so 30% der Fälle vorkommen. Die nächsten 5 Tage wohne ich auf jeden Fall wieder alleine hier – genau wie die letzten 3-4 Tage. Ich beiße mich halt erst mal alleine durch während Frauchen im Therapiezentrum wohnt wo wir sie nach ihrem letzten Zusammenbruch hingebracht haben. Viel zu beißen gibt es hier aber gar nicht. Die Stadt ist wirklich sehr klein und hybsch übersichtlich. Außer der besagten Papierfabrik gibt es hier nichts. Da mir langsam das Geld ausgeht werde ich morgen zum lokalen Jobcenter (Center?) gehen und mal schauen was es so gibt. Idas Haushalt habe ich inzwischen ganz gut im Griff und da ich momentan auch nicht auf sie aufpassen muss (Fakt ist ich kann ihr sowieso nicht helfen. Absolut nicht. Was mache ich hier?) ist das vielleicht der richtige Zeitpunkt für ein paar schwedische Kronen zu sorgen.

Die Wohnungen hier sind übrigens sehr günstig. 20qm² kosten so umgerechnet 150 Euro mit Strom und warm Wasser so viel man mag inklusive (und Breitbandanschlüsse werden einem hier sowieso hinterher geschmissen. Alles was der Mensch so braucht also). Meinen Bus habe ich soweit auch wieder flott bekommen. Dieses nachgerüstete EGS-System ist einfach Dreck. Einer der Stecker ist einfach komplett abgefallen. Dann war der Draht zum kleinen Ölsignalgeber im Kabelbaum gebrochen und jetzt streikt die Temperaturanzeige (Kontaktproblem – brauche ich erst Reinigungsmittel). Ich bin trotzdem ganz zufrieden. Kleinkram für knapp 4000 Kilometer.

Ida hat mich zusammen mit ihren Freunden hier ein wenig mit der Umgebung vertraut gemacht. Die Stadt ist wirklich sehr klein und über alles liegt tagsüber der Geruch der Papierfabrik. Man kann nicht behaupten dass es stinkt.. es riecht einfach. Die meisten Menschen aus der Umgebung arbeiten in dieser Fabrik. Heute ist allerdings nicht viel los da wir ja Osterwochenende haben. Deshalb wollen wir auch zu Idas Eltern fahren. Ich war recht nervös aber hatte dann ganz schnell andere Sorgen. Der Bus nahm mich beim Wort als ich ihm unterwegs immer wieder sagte: “Halte durch bis wir da sind. Da habe ich dann Zeit dich wieder zu reparieren”. Er weigerte sich anzuspringen. Mit meinem Latein war ich rasch am Ende nachdem er ja fleissig orgelte, Sprit förderte, die Kerzen funkten aber nichts als kleine Spritwölkchen aus dem Auspuff gehustet wurden. Ich vermute mal wieder den nassen Verteilerfinger aber selbst das Austrocknen sowie das Wechseln der inzwischen total schwarzen Zündkerzen brachte nichts. So lernte ich also Idas Vater kennen als er kam um uns zu sich nach Hause abzuschleppen 🙂

Idas Familie lebt mitten im Nirgendwo westlich von Piteå. Die nächste Stadt ist 70km weit weg und sonst gibt es da nur Bäume, Schnee, Seen, Schnee, Fjorde und noch mehr Schnee. Vielleicht war es besser so dass wir gleich das große Thema Auto hatten. Idas Vater repariert alle Autos in der Umgebung und hat eine riesigen Schrauberhalle mit Hebebühne. Hier nehmen wir meinen Bus unter die Lupe. Eines der Kabel vom Verteilerfinger zur Zündkerze war im Halter durchgefault und grün oxidiert. Gefunden haben wir das als es an einer Stelle funkte als Ladung auf den Block übersprang wo keine hin gehörte. Mit einem sanften Ruck war das Kabel komplett durch und wir klemmten es provisorisch fest. Dann starb der Motor unmittelbar nach der Zündung wieder. Hier habe ich das Kabel am Luftmengenmesser vergessen anzuklemmen nachdem wir dem Bus einen Satz neuer Zündkerzen spendiert hatten. Dann habe ich noch ein defektes Kabel zum Ölsignalgeber gefunden. Nicht weiter wichtig aber muss ebenfalls gerichtet werden.

Die Familie ist auf jeden Fall irre nett und es ist erstaunlich wie viel wir mit Englisch, Schwedisch, Deutsch, Händen und Füßen sowie div. Reparaturleitfäden beim Thema Autos austauschen können. Ida ist die meiste Zeit mit schlafen beschäftigt und so muss ich mich eben alleine durchbeißen. Ich kann mich nicht beklagen da ich eine Menge Spaß bei der Sache habe. Mein vieles Deutsches Bier wird ebenfalls wohlwollend aufgenommen und am Ende des Tages ist alle Scheu abgelegt und es gibt eine Menge zu lachen.

Am Abend fahren wir dann mit den Nachbarkids auf Schneemobilen zu einem zugefrorenem See rüber. Dort wird dann bis spät in die Nacht hinein am Lagerfeuer gesessen und erzählt. Auf dem zugefrorenem See lerne ich dann gleich wie man ein Schneemobil fährt. Laut Idas Bruder fahre ich sehr gut für den ersten Versuch. Im Winter fahren hier alle Schneemobile da die Straßen unpassierbar werden. Lediglich in so ca. einem Monat, wenn der Sommer hier oben ankommt, werden die Mobile für 3 Monate eingemottet, gewartet und überholt. Im Moment ist der Schnee leider nicht mehr so gut und die Schneemobile bleiben oft stecken. Es braucht mindestens 2 Paar Hände um so ein Teil wieder vernünftig frei zu bekommen und man landet dabei oft mit der Nase im Schnee. Ich bin sehr froh über den geliehenen Schneeanzug mit dem wir alle irgendwie wie ein Michelin-Männchen aussehen.