Heute hatten wir nur den halben Tag lang Schule. Nach der Pause wurden wir alle in die Aula gescheucht um der Vorstellung einiger Musikstudenten zu lauschen. Auf der Bühne standen eine Menge Trommeln und ein Klavier herum. Als dann noch ein hagerer langhaariger Student mit Brille verschämt auf der Bühne herumtrippelte und sich leise vorstellte, verdrehte ich bereits innerlich die Augen. Zu Unrecht – wie ich kurz darauf feststellen musste. Dieser riss sich nämlich alsbald das Shirt vom Leibe, die Brille herunter und das Haarband aus den Haaren. Hård-Rock quer über die Brust gepinselt, und von drei weiteren halbnackten Trommlern unterstützt, wollte ich meinen Augen und Ohren kaum trauen. Eigentlich hätte ich ja mit so etwas rechnen müssen, wenn ich meine letzten Erfahrungen mit dem Musikstudenten hier im Hinterkopf behalte. We will rock you!

Die nächste Überraschung folgte auf dem Fuße, als im Anschluss verschiedene Sänger nacheinander die Bühne betraten. Unterstützt von Querflöte und Violine durfte ich nun Stücken aus dem Werk “Neun Deutsche Arien” wie “Flammend Rose” und “Süße Stille” lauschen. Ich bin zwar irgendwo in Nordschweden kurz vor Finnland in einer Kleinstadt mit vielleicht 25.000 Einwohnern, doch plötzlich sitze ich in einer Oper mit perfektem deutschsprachigen Gesang. Tief bewegt lausche ich bis zur letzten Note.

Zu guter letzt spielten noch zwei Gruppen Stücke aus der Welt des Jazz und Blues – inklusive dem entsprechendem Outfit. Anzüge, Krawatten und schief sitzende Hüte oder Mützen, wie man das so sonst nur aus dem Fernseher kennt. Herr Ober – Tisch 23 bitte! Ich könnte jetzt einen Drink vertragen.

Tja – da will man seinem Nachbar was gutes tun und hilft ihm dabei Zündkerzen, Verteilerkappe, Luftfilter, Kompressionstest und diversen Kleinkram, der dringend nötig war, an seinem Bus zu tauschen/messen und schon ist was kaputt. Im Anschluss sprang der Bus zwar sauber an, doch ging er auch sofort wieder aus. Das Symptom ist mir bestens bekannt: Luftmengenmesser defekt. Ich habe noch zwei davon in Reserve, doch lief der Bus mit keinem der beiden besser – und so begann die lange Fehlersuche. Da es am Ende nun schon recht spät war, vertagten wir das ganze. Bei Tageslicht und mit dem Multimeter dann erstaunlich schnell gefunden: Im Zwischenstecker zum Luftmengenmesser hat sich ein Pinn gelöst und im Kabelschuh versteckt. Diesen rasch aufgepellt hatten wir des Rätsels Lösung dann vor Augen. Da einige Pinns an diesem Stecker ohnehin leer sind, ist uns das auch nicht sofort aufgefallen. Nun rennt der Kleene wieder wie eine Eins 🙂

Ich habs wieder verpennt. Es tut mir wie immer wirklich Leid :/

Daher nur hier und für dich diesmal auf Schwedisch und Deutsch:

Grattis på födelsedagen morsan!

Alles gute zum Geburtstag Mum!

Und zwar Vollzeit. Seit Montag drücke ich wieder die Schulbank. 4x die Woche geht es nun zum intensiven Schwedischkurs für Immigranten. Die Schule ist die Framnäs Volkshochschule und ist ca. 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Emma, Idas Schwester, geht zufälligerweise auf die selbe Schule. So kenne ich wenigstens schon jemanden dort. Die wenigen Stunden haben sich übrigens bereits bewährt und so konnte ich gestern munter mit meiner Vermieterin über ihr Problem mit dem Computer, was ich dann im Anschluss auch gleich gelöst habe, plaudern. Ich bin allerdings sehr froh bereits in Eigenregie ein wenig Schwedisch gelernt zu haben. Der Unterricht ist auf Schwedisch und nur im Notfall wird auf Englisch zurück gegriffen, da nicht einmal alle Schüler Englisch sprechen. Wer mitkommen will sollte seine Nase also schön in die Bücher stecken. Bis jetzt kann ich gut folgen und langsam klappt es auch sich über den SmallTalk hinaus verständlich zu machen. Unsere SFI-Klasse ist sehr bunt gemischt. Meine Mitschüler kommen wirklich aus aller Herren Länder. Abgesehen von Larry, der die halbe Woche wegen seines Jobs fehlt, bin ich – oh Freude – der einzige Kerl in der Klasse.


(Bild: Schulbuch +46 2 Kurs B “Forstår I det?” (dt.: Versteht Ihr das?))