Wenn früh am Morgen die Werkssirene dröhnt… gut gut, wir haben keine Sirene, denn das wäre sonntags um 3 Uhr früh auch ein wenig auffällig, aber geschafft wird trotzdem. Nachdem ich mich um 2 Uhr früh aus dem Bett gerollt habe, wetze ich mit dem am Tag davor abgeholten Ducato Richtung Druckerpresse. Die Autobahn gehört mir dabei ganz alleine, da Sonntag früh absolut nichts los ist. Und das ist gut so, denn der Ducato schafft seine 120km/h nur mit Mühe. Gegen 2:45 Uhr passiere ich das Tor der Presse und reihe mich in die Warteschlange der anderen Flottenfahrzeuge ein. Kam beim ersten Andruck nichts dazwischen, beladen die ersten Kollegen auch schon ihre Sprinter. Ein vollautomatisiertes Band schaufelt die Zeitungen in der richtigen Reihenfolge zu den einzelnen Rampen. Das klappt auch in so 95% der Fälle auch wunderbar – die restlichen 5% verursachen irgendwo einen großen Haufen Unordnung, der dann einfach am Ende vom Band gekippt wird. Ist das Packband der Stapel dabei nicht gerissen, kommen diese einfach oben drauf in den Transporter. Da das Band die Pakte in allen erdenklichen Positionen auswirft, ist eine ordnende Hand auf der letzten Wegstrecke zum Transporter immer willkommen.

Gegen 4 Uhr habe ich dann den Ducato beladen und wetze auf die Autobahn. Der erste Bestimmungsort ist relativ nah und nach kurzer Zeit erreiche ich bereits den ersten Ort. Hier fahre ich nun eine vorher festgelegte Route ab und bringe die Zeitungsbündel zu ihren Verteilern oder in ein Verteilerdepot. Dabei heize ich früh morgens über verlassene Landstraßen und durch stille Dörfer. Das Röhren des alten Dieselmotors zerfetzt dabei als einziges Geräusch die Stille der Nacht und ich habe fast ein schlechtes Gewissen dabei. Andererseits will aber auch jeder seine Sonntagszeitung auf dem Frühstückstisch haben und der Zeitplan ist eng. Bis um 7 Uhr muss ich meine Pakete abgeliefert haben und die Liste der Dörfer und Abladestellen ist lang. Nach der Tour liefere ich den leeren Wagen wieder bei der Spedition ab und mache mich nach Hause in mein Bett und schlafe noch einmal richtig aus. Später werfe ich dann mal einen Blick in die Zeitung, die ich die halbe Nacht selbst ausgeliefert habe.